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Nach 40 Jahren wieder in der "Großen Nördlichen Wildnis"
Von Yan Zhentong Ende Juni 2008 kamen wir in Harbin, der Hauptstadt der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas, zusammen. Wir waren aus verschiedenen Landesteilen – zwei sogar aus den USA – angereist, um von hier aus eine Reise nach Beidahuang (wörtlich: „Große Nördliche Wildnis“) anzutreten. Beidahuang ist eine überlieferte Bezeichnung für die weite Ebene im Einzugsgebiet des Flusses Nenjiang im Norden der Provinz Heilongjiang. Mit diesem Ort haben wir eine starke innere Verbundenheit, weil wir unsere Jugend dort – bis zum Ende der „Kulturrevolution“ (1966 – 1976) verbracht und auch dort angefangen haben, das Leben verstehen zu lernen. Vor 40 Jahren – mitten in der „Kulturrevolution“ – wurden wir als Jugendliche mit Schulbildung aus Beijing, Shanghai, Tianjin und Harbin dorthin geschickt, um das Land urbar zu machen. 40 Jahre sind vorbei und alle von uns haben graue Schläfen. Beruflich sind wir heute Universitätsprofessoren, Lehrer, Ärzte, Arbeiter, Funktionäre und Beschäftigte im öffentlichen Dienst, aber Beidahuang ist nie aus unserer Erinnerung verschwunden. Dieses Jahr ist das 50-jährige Jubiläum der 7. Nebenfarm der Farm 852, auf der wir gearbeitet haben. Jeder von uns hat davon geträumt, noch einmal in die „zweite Heimat“ zurückzukehren. Wir wollen einfach unsere ehemaligen Kameraden sehen und die fruchtbare schwarze Erde noch einmal anfassen, auf der wir gearbeitet, gekämpft und gelebt haben, und noch einmal die schöne Erinnerung der Jugend auffrischen. Mit einem Kleinbus erreichten wir zuerst die Hauptverwaltung der Farm 825 und fuhren dann zu „unserer“ 7. Nebenfarm. Nachdem wir am Berghang, auf dem früher die 3. Kompanie stationiert war, vorbei gefahren waren, rückte das Verwaltungsgebäude unserer Nebenfarm in unser Blickfeld. „Wir sind zu Hause!“ Alle gerieten in überschwängliche Begeisterung. Unser Bus hielt vor einem mehrstöckigen Gebäude. Die Leitung der Nebenfarm wartete bereits vor dem Eingang auf uns. Wir schüttelten uns die Hände, umarmten uns und die Tränen der Rührung traten uns in die Augen. Auf der anschließenden Begrüßungssitzung kamen viele Erinnerungen hoch und die einheimischen Landwirte würdigten einhellig unseren Beitrag dafür, die Grundlage für die Entwicklung in diesem Gebiet gelegt zu haben.
![]() Das Gelände der Verwaltung der 7. Nebenfarm erkennen wir kaum wieder. Es stehen dort neue Bürohäuser an den breiten Straßen, die von Grünanlagen umsäumt sind. Neben den Gebäuden gibt es Basketballfelder, Badmintonfelder und andere Sportplätze, bei deren Anblick ich nicht umhinkonnte, mich an meinen zeitweiligen Job von damals zu erinnern: Eine Zeitlang diente ich als Filmvorführer. Damals herrschte genauso großer Hunger nach Kulturdarbietungen wie nach Nahrungsmitteln. Wenn ein Film vorgeführt wurde, was selten war und wie ein Fest gefeiert wurde, harrten die Zuschauer selbst bei Temperaturen bis minus 30 ºC bis zum Ende des Films aus. Alles hier hat sich verändert. Auf den Fernsehturm zeigend erzählte uns ein Mitarbeiter, dass das Digitalfernsehen auch hier verbreitet ist. Am Morgen des darauf folgenden Tages sind wir in die 2. Kompanie, also in unser ehemaliges Dorf gegangen. Weit vor dessen Eingang sahen wir schon die im Wind flatternden Flaggen und hörten laute Paukenschläge und Becken scheppern. Vor 40 Jahren wurden wir auch auf diese Weise begrüßt – jedoch von den demobilisierten Soldaten, die sich 10 Jahre zuvor dort niedergelassen hatten. Sie leben heute im Ruhestand. Ihre Nachkommen betreiben die Landwirtschaft weiter. Die einstigen Hütten aus Lehm und Stroh haben Häusern aus roten Backsteinen Platz gemacht, neue Straßen sind angelegt worden und große moderne Landmaschinen stehen aufgereiht. Was von damals übrig geblieben ist? Der Korbständer für Basketballspiele. Um das Leben nach Möglichkeit etwas interessanter zu gestalten, haben wir damals Geld gesammelt und diesen Korbständer gebaut. In unserem Dorf haben wir dann auch die Bewohner besucht. In jedem Hausalt dort gab es jetzt verschiedene Elektrogeräte – wie in der Stadt. Viele junge Leute haben auch Motorräder und Autos gekauft. Das Dorf präsentiert sich in neuem Antlitz. Beidahuang hat heute den gereimten Beinamen „Miliangcang“ (Kornkammer). Durch die Mechanisierung und Verbreitung der wissenschaftlichen Bewirtschaftung insbesondere in den Jahren der Reform und Öffnung ist der landwirtschaftliche Ertrag in diesem Gebiet enorm gestiegen. Gemäß den Statistiken der 7. Nebenfarm gab es Ende 2007 eine Anbaufläche von 130 774 Mu (ein Mu = 1/15 Hektar), ein Waldland von 15 323 Mu, Wasserfläche für Fischerei von 14207,8 Mu und 4076 Einwohner. Die Gesamtproduktion für Getreide lag bei 42 759 t. Das Einkommen im Jahr 2007 erreichte pro Kopf 12 000 Yuan – weitgehend höher als das durchschnittliche Jahreseinkommen der Landbewohner des Landes. Wir freuten uns von ganzem Herzen über die Entwicklung der Farm, die vor 40 Jahren einfach unvorstellbar war. Nach Beijing zurückgekehrt frage ich mich, was der Beweggrund für meine Reise war. Es war sicherlich nicht die Nostalgie, vielmehr war es die Reflexion über die Härte des Lebens. Die Zeit vor 40 Jahren war zweifelsohne voller Irrtümer, aber im Nachhinein stelle ich fest, dass die Jahre in Beidahuang eine zwar ungewollte, aber wichtige Station in meinem Leben waren und ich mich dort körperlich und seelisch gestärkt habe. |
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