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Am liebsten mag sie die Landschaft im Grenzgebiet zwischen Yunnan und Tibet. Dort ist es wie in einem vom Rest der Welt völlig isolierten Märchenland mit traumhaften Bergen und Wäldern. Doch eben weil es wie von der Welt abgeschnitten ist, ist es für viele Kinder extrem schwierig und mühsam, eine Schule zu besuchen. Jin Long ist eines dieser Kinder. Als Xu Suosuo ihn das erste Mal sah, folgte er gerade mit neidischem Blick einer Gruppe Schulkinder. Üblicherweise gibt es in dieser Region nur sehr wenige Kinder, die zur Schule gehen können, und die finanzielle Situation in Jin Longs Familie erlaubt es ihm noch viel weniger. Nach dem Tod seines Vaters, der seine Mutter sehr getroffen hat, wurde Jin Long von seinem schon betagten Großvater großgezogen. In dieser bitterarmen Familie hatte er keine Chance auf eine Schulbildung. Obwohl er gerade erst 8 Jahre alt ist, muss er jeden Tag für seine Mutter Essen machen und Wäsche waschen, sich um den Großvater kümmern und den kleinen Garten im Hof bewirtschaften – er sorgt praktisch alleine für die Familie. 

Vielleicht weiß Jin Long gar nicht um die Bedeutung einer Schulbildung und sein Neid ist eher begründet durch eine Neugier auf die Welt außerhalb seines Dorfes. Xu Suosuo sagt, es sei sein Blick gewesen, der sie tief bewegt hätte. 

Auf ihrer weiteren Reise begegnete sie noch weiteren hilfsbedürftigen Kindern und beschloss daher, eine Wohltätigkeitsstiftung zu gründen, um sie für einen längeren Zeitraum finanziell zu unterstützen. Nachdem Xu Suosuo nach Beijing zurückgekehrt war, erkundigte sie sich extra nach den Bestimmungen zur Gründung einer Stiftung, nur um auf diesem Weg zu erfahren, dass dies viel komplizierter ist, als sie gedacht hatte. Als erstes gibt es für eine Stiftung überhaupt noch keine Gesetze und Regeln, keine Beispiele, nach denen man verfahren könnte. Die nächste Hürde ist, dass man bei der Gründung genau definieren muss, was eigentlich das Ziel dieser Stiftung ist, und wem sie dienen soll. Und als wichtigstes braucht man erst einmal Geld, am besten in großem Umfang. 

Für eine gewöhnliche Journalistin wie Xu Suosuo jedoch ist es äußerst schwierig, eine solche Summe aufzutreiben. Und damit dürfte sich das Vorhaben vorerst erledigt haben. 

„Wenn mir aber jetzt jemand ein paar Millionen gäbe, würde ich sofort eine solche Stiftung in die Wege leiten, um den armen Kindern zu helfen. Hinsichtlich der Durchführung würde ich bestimmt einen Fachmann finden, der mir helfen kann, denn dafür habe ich keine Zeit. Immerhin muss ich ja noch auf Reisen gehen. Meine Mutter allerdings dürfte davon ganz bestimmt nichts erfahren, denn wenn sie wüsste, dass ich soviel Geld verschenke, würde sie garantiert in Ohnmacht fallen.“ Für Xu Suosuo ist diese Stiftung bis heute allerdings nur ein Traum.

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