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Die Geschichten von drei Wanderarbeitern

Von Fan Ming

In Beijing gibt es einige Millionen Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, die meistens aus den ländlichen Gebieten verschiedener Provinzen kommen. Manche Leute treiben Handel, manche arbeiten auf einer Baustelle, manche Leute sind Straßenreiniger, führen kleine Transportgeschäfte oder sammeln Müll bzw. Schrott usw. Sie tragen zur Wirtschaftsentwicklung und zum Aufbau der Städte bei. Welche Erlebnisse haben sie gehabt? Wie bekämpfen sie die Armut? Welchen Traum haben sie? Jeder hat eine Geschichte. Ich erzähle Ihnen folgende Geschichten von drei Wanderarbeitern in Beijing.

Eine Ladenbesitzerin, die Seidenwaren verkauft

Bei Gulou (Trommelturm) in Beijing gibt es eine Strasse namens Yandaixiejie, die wie eine Tabakspfeife aussieht. Das ist eine Fußgängerzone. Zu den beiden Straßenseiten stehen Läden im klassischen Baustil eng nebeneinander. Geschäftsleute verkaufen Waren, die vom Stil her eher einem traditionellen oder volkstümlichen Verständnis von China entsprechen.

Eines Tages standen einige Deutsche vor der Tür eines Geschäfts und wählten Schals aus. Ich fragte sie: ,,Gefallen Ihnen diese Schals? Gibt es in Deutschland keine Schals?” Einer von ihnen antwortete: ,,Doch, in Deutschland gibt es solche Schals, aber die Farbe dieser hier hat mir besonders gefallen.” Da kam die Ladenbesitzerin heraus.

Die Ladenbesitzerin heißt Zhang Ying. Sie stammt aus der Provinz Anhui. Als sie 1987 die Unterstufe der Mittelschule absolvierte, arbeitete sie als Bäuerin zwei Jahre auf dem Land. Aber sie wollte nicht ein Leben lang als Bäuerin tätig sein. 1993 fuhr sie nach Wuxi, Provinz Jiangsu, und arbeitete in einer Textilfabrik. Aber sie meinte, dass das Leben in der Fabrik zu eintönig und langweilig ist. Damals trieb ihr Schwager in Beijing Handel. Sie lieh sich von einem nahen Verwandten 20 000 Yuan und folgte ihrem Schwager nach Beijing. Anfangs hatte sie keinen Laden und hatte nur zwei Stellwände in Liulichang gemietet, die sie monatlich 600 Yuan kosteten. Sie verkaufte Seidenwaren, kunstgewerbliche Produkte, traditionelle chinesische Malerei und Kalligraphien, die an den Stellwänden hingen.

Eines Tages wollte der Geschäftsführer des Peking-Ente-Restaurants Quanjude mit ihr zusammenarbeiten. Sie durfte im Flur des Restaurants ihre Waren verkaufen. Das verdiente Geld wurde je zur Hälfte geteilt. In 20 Tagen hat sie so 3000 Yuan verdient. Aber gute Zeiten dauern nicht ewig. Im Jahre 2002 wurde ihr Vater krank. Sie fuhr in ihre Heimat, um ihren Vater zu pflegen. Ein Monat später, als sie nach Beijing zurückkam, verlor sie den Verkaufsraum. Im Jahre 2003 wurde Beijing von SARS heimgesucht. Damals konnte sie nur so viel Geld verdienen, dass sie ihren Lebensunterhalt sicherstellte.

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