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Massenorganisation und Markt – Der Chinesische Frauenverband

Von Lars Mörking

Der Chinesische Frauenverband, eine so genannte Massenorganisation, hat traditionell eine Vermittlungsfunktion zwischen Kommunistischer Partei und den Massen, in diesem Falle den chinesischen Frauen, deren Interesse sie vertritt. Formal betrachtet sind alle chinesischen Frauen Mitglied des Chinesischen Frauenverbandes. Im Zuge der Entwicklung Chinas zu einer modernen Marktwirtschaft hat sich diese Aufgabe stark verändert. Zudem gibt es in China nicht mehr nur ein Frauenbild, sondern je nach Region, Geschlecht und sozialer Herkunft gibt es unterschiedlichste Vorstellungen davon, was eine Frau ausmacht bzw. ausmachen sollte. Traditionelle, überwunden geglaubte Einflüsse spielen dabei eine Rolle, aber auch Einflüsse aus dem kapitalistischen Ausland haben mit dem Einzug der Marktwirtschaft ihre Spuren hinterlassen.

Quanguo Fulian (全国妇联) – Der „Gesamtchinesische Frauenverband“

Gegründet am 3. April 1949, stammt die Organisation in erster Linie aus einer kommunistischen, aber auch aus einer bürgerlich-liberalen Tradition chinesischer Frauenrechtsorganisationen. Der Chinesische Frauenverband hat nach 1949 eine durchaus staatstragende Funktion übernommen und dabei immer wieder auf die Einhaltung und Durchsetzung der Rechte der Frauen in der Volksrepublik geachtet. Bei dieser Aufgabe wich der Frauenverband nie von der politischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ab. Unter den neuen Bedingungen der sozialistischen Marktwirtschaft, die für Frauen wie Männer die Einführung von Arbeitsverträgen anstelle von gesicherten Arbeitsverhältnissen gebracht, sieht sich der Frauenverband u. a. mit einer wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Ungleichbehandlung konfrontiert. Immer häufiger berichten Frauen, insbesondere Wanderarbeiterinnen, von niedrigerer Entlohnung und Benachteiligung bei den Aufstiegschancen. Ironischerweise werden Frauen zum Teil aufgrund der fortschrittlichen Gesetzgebung der VR China von potentiellen Arbeitgebern benachteiligt, die eine auf einem Arbeitsvertrag basierende Einstellung beispielsweise wegen der Möglichkeit einer Schwangerschaft ablehnen. Das Recht auf bezahlten Schwangerschaftsurlaub ist ein Kostenfaktor der das scheue Kapital schreckt.

Der Frauenverband ist zwar in Rechtsgebungsprozesse eingebunden und verpflichtet sich auch zur Umsetzung dieser mitformulierten Rechtsvorschriften, das Hauptbetätigungsfeld liegt aber eher im Bereich der Aufwertung der weiblichen Arbeitskraft, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Bildungs- und Ausbildungsprogramme sollen Frauen helfen, der Konkurrenzsituation selbstbewusst begegnen zu können. Auch Rechtsberatung gehört in diesen Bereich. Frauen sollen in die Lage versetzt werden, sich selbst für ihre Rechte einzusetzen, bzw. diese einzufordern. 

Insgesamt sieht beispielsweise die Autorin des Buches „Der Chinesische Frauenverband“, Astrid Lipinsky, die „Neudefinition des Frauenverbandes als Dienstleisterin für Frauen“ mit der Satzung von 1988. Seit den 1990er Jahren sei eine „Rückbesinnung auf die Aufwertung der Familie“ zu verzeichnen. Tatsächlich versucht der Frauenverband in verschiedenen Regionen in verschiedenen Themenbereichen seine gesellschaftliche Relevanz zu sichern bzw. wiederherzustellen. So gehören Telefon-Hotlines für Opfer häuslicher Gewalt, Vermittlung von Haushaltsangestellten für bessergestellte Familien, Projekte zur Armutsbekämpfung und Alphabetisierung sowie eine Bandbreite von Unternehmen, die vom Frauenverband betrieben werden – darunter u. a. Bildungseinrichtungen, aber eben auch Vermittlungsagenturen und Friseurläden – zu den Aufgaben und Angeboten des Verbandes, der landesweit auf jeder Verwaltungsebene der VR eine entsprechende Verbandsebene hat.

Women of China – Weibliche Karrieren in Politik und Wirtschaft fördern

In ihrer Zeitschrift „Women of China“ (die auf chinesisch und englisch herausgegeben wird), zeigt der Frauenverband, wie er mit der historisch betrachtet recht neuen Herausforderung, unter den Bedingungen der „Sozialistischen Marktwirtschaft“ die Interessen der Frauen zu vertreten, umgeht. Vor allem liefert die Zeitschrift Erfolgsgeschichten über Frauen, die sich in einer immer noch von Männern dominierten Welt durchgesetzt haben. Auf der anderen Seite versucht der Frauenverband für die moderne, in der Stadt lebende Chinesin attraktiv zu sein, weshalb auch die Organisation von Modeschauen, Schminktipps u. a. m. zum Repertoire gehört. Es wird also der Versuch unternommen, sich den neuen Bedingungen anzupassen, unter denen Frauen – wie auch in Europa üblich – für gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen, wobei die Lage der Frauen durch individuelle Förderung verbessert werden soll; während gleichzeitig – in enger Zusammenarbeit mit der Regierung – der in der Verfassung der Volksrepublik China festgeschriebene Gleichheitsgrundsatz verwirklicht werden soll.  

Mehr Infos direkt unter:

Women of China: http://www.womenofchina.cn/ 

Address:Baiwanzhuang Dajie 24, 100037 Beijing, VR China
Fax: 86-010-68328338
Website: http://www.chinatoday.com.cn
E-mail: chinaheute@chinatoday.com.cn
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