Wir haben dann auch Ma Yingchang, Vorsteher des Dorfes Xiangyuan im Entwicklungsgebiet Hongsibao, besucht. Wir gingen durch das Tor in den Wohnhof und haben uns verschiedene Wohnhäuser aus unterschiedlichen Baumaterialien aus verschiedenen Jahren angesehen, vom Lehm über Backsteine bis zum Porzellanziegel. Diese Wohnhäuser spiegeln die Veränderung des Lebens in den vergangenen neun Jahren wider. Der 53-jährige Ma Yingcheng ist bekannt, denn seine Familie hat ein Vermögen von über eine Million Yuan. Seine zwei Söhne haben insgesamt acht Kraftfahrzeuge, darunter einen Transporter, einen Kipper und Pkws für den eigenen Gebrauch. Aber als Herr Ma im Jahr 1999 vom Dorf Shitangou im Kreis Tongxin nach Hongsibao umzog, musste er alle seine 150 Schafe verkaufen, um den Umzugs zu bezahlen. „Früher, in dem alten Dorf, wohnten alle Mitbewohner in den geschachteten Höhlenwohnungen, man sammelte nun im Winter den Schnee und im Sommer das Regenwasser ein, um das Problem mit dem Trinkwasser zu lösen.“
Die Regierung versprach den nach Hongsibao umgesiedelten Bewohnern, Wasser aus dem Gelben Fluss für die Bewässerung zu liefern, woran die Bewohner zuerst gezweifelt hatten. Schließlich wurde doch die Wasserversorgung gegen niedrige Gebühren verwirklicht und immer mehr Bewohner wollten nach Dorf Hongsibao umziehen. Obwohl der Wasserpreis seit dem Jahr 2001 bis heute schon von 1 Fen (1/100 Yuan) auf 0.11 Yuan pro Kubikmeter gestiegen ist, fühlen sich die Leute, die früher von Generation zu Generation Probleme mit der Trinkwasserversorgung hatten, trotzdem sicher.
Ma Yingcheng hat seinen Sinn fürs Geschäft genutzt und im Jahr des Umzugs einen Bulldozer auf Kredit gekauft, zwei Jahre später dann auch Lademaschinen. Mit solchen Geräten baute er ein Unternehmen auf und spielte schnell eine führende Rolle im Dorf. Er wurde dann auch von anderen Dorfbewohnern zum Dorfvorsteher gewählt. Heutzutage arbeiten die meisten Dorfbewohner im Dienstleistungssektor, transportieren z. B. Güter oder fahren Taxi. Herr Ma sagte, dass es außer ihm im Dorf noch einige andere Familien gibt, deren Vermögen sich auf über eine Million Yuan beläuft. Das ist für Leute, die vor neun Jahren noch unter Entbehrung von Essen und Kleidung litten, einfach unvorstellbar.
Es gibt im Dorf noch manch einen, der relativ arm ist. „Aber das Problem mit der Versorgung mit Nahrung und Kleidung existiert schon nicht mehr.“ Aufgrund der politischen Maßnahme, „Ackerfelder wieder für Forstwirtschaft zu nutzen“, bekommt jeder Dorfbewohner jedes Jahr eine Subvention von 500 Yuan von der Regierung, hinzu kommt noch, dass die Bewohner Subventionen für Dieselöl und Kunstdünger sowie zusätzliche 60 bis 70 Yuan pro Mu bekommen. „Selbst die ärmste Familie hat ein Einkommen von über 10 000 Yuan pro Jahr.“ Die Arbeitsweise der Bewirtschaftung wurde geändert: Früher wartete man nach der Aussaat einfach auf gutes Wetter, heute verwendet man Bewässerungskanäle; die Dorfbewohner haben allmählich eine sorgfältige und intensive Bewirtschaftungsweise gelernt.
200 Familien aus dem alten Dorf, wo Ma Yingcheng früher wohnte, sind jetzt nach Hongsibao umgezogen. Aber zum Bairam gehen sie jedes Jahres zurück, um die Gräber der Vorfahren zu besuchen. Der 74-jährige Vater von Ma Yingcheng ist schon zweimal nach Mekka gepilgert.
Die Regierung des Autonomen Gebiets Ningxia hat einen neuen Plan für die Umsiedlung zugunsten der Ökologie für eine Zeitspanne von fünf Jahren ab 2007 ausgearbeitet. Über 200 000 Leute aus dem wasserarmen Gebiet in der Mitte des autonomen Gebietes werden in 42 neue Siedlungsgebiete umziehen. In die Umsetzung dieses Plans werden 2,8 Milliarden Yuan investiert. Sie wird den Dorfbewohnern von 520 natürlich gebildeten Dörfern aus sechs Landkreisen wie zum Beispiel Tongxin, Haiyuan, Yanchi, Yuanzhou Vorteile bringen.
„Wenn wir diese 200 000 Leute nicht umsiedeln würden, müsste unsere Regierung ihnen das Geld für die Straßenbau, den Transport des Wassers und die Installierung des Fernsehanschlusses zur Verfügung stellen. Die Kosten wären nicht niedriger, dennoch hätten die Leute letzten Endes immer noch Probleme mit der Trinkwasserversorgung und Armut“, sagte Wang Zhengwei, der Vorsitzender des autonomen Gebietes. Durch das gelungene Modell der Umsiedlung für die Ökologie hat man in Ningxia eine gute Lösung zur Beseitigung der Armut gefunden. |