China war einst eine typische Agrargesellschaft und die Landwirtschaft hatte einen sehr hohen Stellenwert. Der Kaiser Jingdi der Han-Dynastie aus dem 2. Jahrhundert v. u. Z. war der Ansicht, dass Getreide, Seide und Hanf wertvoller seien als Gold, Perlen und Jade. Vor dreitausend Jahren erreichte die chinesische Landwirtschaft bereits ihre Blüte. Bis zum 3. Jahrhundert v. u. Z. hatten die urbar gemachten Ackerfelder nahezu den heutigen Umfang erreicht. Bemerkenswert ist jedoch, dass in der frühen Phase der landwirtschaftlichen Entwicklung bei der Urbarmachung von Wildnis Wälder verbrannt und Teiche trockengelegt wurden, was sich auf die Umwelt beeinträchtigend auswirkte, so dass Überschwemmungen im Einzugsgebiet des Gelben Flusses, einer der Wiegen der chinesischen Zivilisation, mehrmals auftraten. Aus diesem Grund wurden die Kenntnisse über den Naturschutz in den Wechselbeziehungen zwischen Erschließung durch Menschen und der Umwelt verbreitet und die entsprechenden Schutzmaßnahmen intensiviert.
Überlieferungen zufolge wurden vor 4000 Jahren bereits spezielle Ämter für Naturschutz eingerichtet. In der Vor-Qin-Zeit, also im Zeitraum vom 21. Jahrhundert bis 221 v. u. Z., wurden die Ämter in verschiedenen speziellen Gebieten eingerichtet. Es gab dann Ämter für Berge, Flüsse und Wälder. Sie waren für die Ausarbeitung von Vorschriften über den Schutz der natürlichen Umwelt und Ressourcen zuständig. In den „Ritualaufzeichnungen“ z. B. ist vorgeschrieben, wie die natürlichen Ressourcen in welcher Jahreszeit und sogar in welchem Monat verwendet werden sollten. Nach den damaligen Vorschriften durften zur Förderung des Wachstums von Wäldern keine Bäume im Frühjahr gefällt werden, mit Ausnahme des Zimmerns von Särgen. Ebenfalls zum Schutz von Wäldern durften jüngere Bäume nicht abgeholzt werden. Es sollte verhindert werden, dass Teiche und Seen trockengelegt werden, um Fische zu fangen, und dass Sträuche verbrannt werden, um Felder urbar zu machen. Bei der Jagd sollten in der Jahreszeit, in der die Fortpflanzung von Tieren stattfand, keine Jungtiere getötet werden. In der Landwirtschaft wurde Fruchtwechsel praktiziert. Der Fruchtwechsel blickt auf eine Geschichte von Jahrtausenden zurück und ist heute immer noch von aktueller Bedeutung.
Der Gedanke der Einheit von Himmel und Mensch in der Ökologie
Im Zeitraum vom 8. Jahrhundert bis 3. Jahrhundert v. u. Z. war die Blütezeit der chinesischen Philosophie. Dieser Periode entsprangen nahezu alle philosophischen Gedanken, die tiefen Einfluss auf die chinesische Kultur ausüben. Interessant dabei ist, dass der Gedanke der „Einheit von Himmel und Mensch“ von allen philosophischen Schulen befürwortet wurde. Doch die Gewichtung ist unterschiedlich. Beispielt tritt der Taoismus für einen absoluten Schutz der Natur ein, während der Konfuzianismus der Auffassung ist, dass das „Nehmen“ von der Natur auf das rechte Maß beschränkt werden soll.
Im Mittelpunkt des vom Konfuzius (551 – 479 v.u.Z.), dem berühmtesten chinesischen Philosophen, begründeten Konfuzianismus, steht der Begriff „Menschlichkeit“. Konfuzius meinte, dass der Mensch Furcht vor Natur („Himmelswillen“) haben soll. Er setzte sich dafür ein, dass man Fische nur angeln, aber nicht mit großen Netzen fangen soll. Ebenfalls soll man keine Vögel in ihren Nesten fangen. Als er einmal hörte, dass sein Schüler Jizi beim Angeln kleine Fische wieder ins Wasser entließ und nur große Fische behielt, lobte er ihn und sagte, dass Jiyi ein Mensch von moralischer Vollendung ist. Er meinte, dass sich auch weise Menschen an die Natur anpassen und die Harmonie zwischen Menschen und Natur anstreben sollen. Es gilt als Handlung der Pietätlosigkeit, wenn man unzeitgemäß Bäume abholzt und Jagd betreibt. Im „Buch der Wandlungen“ steht geschrieben: „Ein Weiser nimmt sich die Veränderungen von Himmel und Erde zum Vorbild.“ „Ein tugendhafter Mensch ist durch folgende Eigenschaften ausgezeichnet: Seine moralische Integrität ist wie Himmel und Erde; seine Weisheit ist wie Sonne und Mond, er arbeitet regelmäßig wie der Wechsel der vier Jahreszeiten. Er ist in der Lage, – wie mysteriöse Geister – das Unglück im Voraus zu erkennen. Er handelt vor dem Vorkommen der himmlischen Erscheinungen, ohne dass diese ihm widersprechen. Handelt er nach dem Vorkommen der himmlischen Erscheinungen, steht seine Handlung in Einklang mit ihnen.“
Dong Zhongshu (179 – 104 v. u. Z.), Philosoph der Westlichen Han-Dynastie, hat den Konfuzianismus als Orthodoxie in der chinesischen Kultur etabliert. Er ist der Ansicht, dass der Himmel, die Erde und der Mensch eine Einheit bilden und jeweils ihre eigene Pflicht erfüllen. Er meinte: „Der Himmel, die Erde und der Mensch bilden die Grundlage für die zehntausend Wesen. Der Himmel ist für ihre Geburt, die Erde für ihr Aufwachsen und der Mensch für ihre Vollendung verantwortlich. Der Himmelt setzt sie mit Pietät auf die Welt, die Erde zieht sie mit Nahrung und Kleidung auf und der Mensch bringt ihre Vollendung mit Riten und Musik zustande. Die drei Teile sind untrennbar wie Hände und Füße, keiner darf fehlen.“ Dong Zhongshu hat die Gedanken von „Menschlichkeit“ und von „Menschenliebe“ verallgemeinert und auf Dinge übertragen. Er sagte: „Aufgrund der Menschenliebe werden Vögel, andere Tiere und sogar Insekten geliebt“. Wang Yangming (1472 – 1529), bekannter konfuzianischer Gelehrter, stellte die These auf, dass Gestirne, Regen und Tau, Wind und Staub sowie Vögel, andere Tiere, Gräser, Bäume, Berge, Flüsse mit dem Menschen einen ganzen Körper bilden. Der konfuzianische Gelehrte Cheng Hao sagte: „Wie könnte man die zehntausend Wesen in der Natur nicht lieben, wenn sie die Körperteile des Menschen sind? “