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Heute engagieren sich die Privatunternehmen in vielen bisher rein staatlichen Aufgabenfeldern wie Bankwesen, Telekommunikation, Verkehr, Medien und Bildung. Seit dem Jahr 2000 wird immer mehr privates Kapital in die Monopolbereiche wie Eisen- und Stahl sowie Erdöl angelegt. Neben den traditionellen Industriebranchen wie Schuhherstellung und Bekleidungsbranche stehen die Privatunternehmen auch in den neuen Industriebranchen wie IT und Finanzen auf festen Füssen.  

Große Bedeutung der Privatwirtschaft 

„Die größten Erfolge, die China seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik vor mehr als 30 Jahren erzielt hat, ist die Erfüllung der folgenden drei Aufgaben: Erstens die Einführung des Systems der vertragsgebundenen Verantwortlichkeit auf der Basis der Haushalte; zweitens die Umgestaltung von Unternehmen in Aktiengesellschaften und der auf dieser Basis entwickelte Wertpapiermarkt; Drittens der Aufschwung der Privatwirtschaft“, sagte Li Yining, einer der einflussreichsten Ökonomen Chinas und Direktor des Managementinstituts Guanghua an der Peking-Universität. Er wies darauf hin, dass zwar die Privatwirtschaft anfangs mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert werden musste, jedoch erkennen immer mehr Menschen ihre Wichtigkeit, nachdem sie sich ständig gestärkt hat. 

Die Bedeutung der Privatwirtschaft kann durch die folgenden Zahlen gut erklärt werden: Ende 2007 betrug der Anteil der Privatwirtschaft an Chinas BIP 50%. 30-40% der Steuereinnahmen stammten aus der Privatwirtschaft und 70% der beschäftigten Arbeitskräfte im sekundären und tertiären Sektor arbeiten in den Privatunternehmen. Professor Zhou Qiren vom Forschungszentrum für Ökonomie an der Peking-Universität hat in seiner Rede, die er auf dem „Symposium für 30 Jahre Reform Chinas“ an der University of Chicago gehalten hat, darauf hingewiesen, dass „das vor der Reform unvorstellbar war“.  

Bei der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik im Jahr 1978 gab es landesweit nur 140 000 Selbstständige. Die meisten von ihnen waren kleine Händler aus den ländlichen Gebieten. Nach 30 Jahren erwirtschaftet die Privatwirtschaft nun den Großteil des BIP Chinas. Auch die Zahl der Privatunternehmen hat stark zugenommen: 1978 gab es nur einige Privatunternehmen. 1990 lag die Zahl bei 98 000, 2007 ist sie auf mehr als 5 Millionen gestiegen. 

Einer der wichtigsten Gründe für den Aufschwung der Privatunternehmen liegt in ihrer Flexibilität. Weil die Privatunternehmen Entscheidungsbefugnisse im Management besitzen, können sie auch über ihr Geschäftsfeld hinaus expandieren. Beispielsweise boomt der chinesische Immobilienmarkt in den letzten Jahren. In einer solchen Situation engagieren sich viele privat betriebene Unternehmen auf diesem Gebiet. So gab es 2007 in der Provinz Jiangxi 778 Immobilienunternehmen mehr als im Jahr 2002, darunter 706 Privatunternehmen. 

Der Vorstandsvorsitzende des Eisen- und Stahlkombinats Baoshan sagte: „Die staatlichen Eisen- und Stahlkombinate sind, wenn sie konkurrieren, den privat betriebenen Unternehmen nicht ebenbürtig, weil die Letzteren voller Flexibilität sind und sich allein an der Rentabilität richten können. In dieser Hinsicht sind die Privatunternehmen überlegen.“ Diese Ansicht hat sich durch die von Gu Qiang, Leiter der Abteilung für Privatwirtschaft von der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform, gegebenen Daten bestätigt: Vor fünf Jahren gab es landesweit nur 40 Eisen- und Stahlunternehmen jeweils mit einer jährlichen Produktionskapazität von über einer Million Tonnen. Im Jahr 2005 stieg diese Zahl auf mehr als 90. „Ein großer Teil von ihnen sind privat betriebene Unternehmen“, so Herr Gu. 

Zur gleichen Zeit haben die Privatunternehmer im Vergleich zu denen vor 30 Jahren große Fortschritte gemacht: Viele von ihnen sind gut ausgebildet und besitzen umfassende Kenntnisse in verschiedenen Bereichen. Sie sind in der Lage, sich in vielen Feldern zu engagieren. Außerdem haben die Privatunternehmen dank ihrer schnellen Entwicklung immer mehr junge Leute angezogen. Vor kurzem hat MyCOS, Beraterfirma für Personalmanagement, eine „Untersuchung über Stellengesuche und Arbeitsfähigkeiten von Hochschulabsolventen des Jahrgangs 2007“ durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, dass die Privatunternehmen insgesamt 1,975 Millionen Hoch- und Fachhochschulabsolventen angestellt haben, was 40,2% der gesamten Hoch- und Fachhochschulabsolventen des Jahrgangs 2007 ausmacht. 

Beijing Taihongji GmbH ist ein mittleres Unternehmen, das sich mit dem Immobilienverkauf beschäftigt. Der Vorstandsvorsitzende Cheng Jun sagte, dass die Regierung den Privatunternehmen ein immer faireres Umfeld für den Wettbewerb eingeräumt hat. Das im Jahr 2007 erlassene neue Gesetz über Körperschaftssteuer für Unternehmen ist ein gutes Beispiel dafür. Dadurch werden die Privatunternehmen den Staatsunternehmen bei der Besteuerung gleichgestellt. Das in Kraft getretene „Sachenrecht“ hat das Privateigentum gleichberechtigt neben staatliches und kollektives Eigentum gestellt und ihm die gleichen Schutzrechte gewährt, was die Bedenken der Privatunternehmern beseitigt hat. 

Die Neoglory Group in Yiwu, Provinz Zhejiang, spielt eine führende Rolle unter allen Unternehmen zur Herstellung von Schmucksachen. Als die Vorstandsvorsitzende Zhou Xiaoguang über die Reform und Öffnung sprach, sagte sie: „Durch die staatliche Politik der Reform und Öffnung wurde eine Plattform geschaffen, auf der ich mein Talent besser zeigen konnte.“ 

Mit neuen Herausforderungen konfrontieren 

Im Jahr 2008 stoßen die Privatunternehmen, vor allem kleine und mittlere Privatunternehmen, auf viele neue Probleme wie verstärkte Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung, Abschwächung der Exporte und Erhöhung der Personalkosten. 

„Die Probleme, mit denen die Privatwirtschaft konfrontiert wird, gelten auch für die Staats- und Kollektivwirtschaft“, sagte Yao Jingyuan, Chefökonom des Staatlichen Statistikamtes, auf dem vor kurzem beendeten vierten Forum über Privatwirtschaft, „Das Wachstum der Privatwirtschaft Chinas basiert seit langer Zeit auf den niedrigen Kosten. Die Lohnkosten, die Kosten für Umweltschutz, der Zinssatz, die Grundstück- und die Rohstoffpreise sind niedrig. Auf dieser Grundlage wuchs die Privatwirtschaft sehr schnell. Aber von heute an ist diese Zeit für immer vorbei.“ 

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