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Übersetzung als Brücke für den Austausch zwischen den Kulturen

Von Huang Youyi

Die Übersetzungstätigkeit stellt ein geistiges Band für den Austausch zwischen unterschiedlichen Völkern, Kulturen und Sprachen und einen wichtigen Weg für die interkulturelle Kommunikation dar. Sie hat direkten Einfluss auf die Wirkung der interkulturellen Kommunikation und ist grundlegende und entscheidende Voraussetzung für diese. In gewisser Hinsicht verkörpert sie auch das Niveau des kulturellen Austausches und des kulturellen Aufbaus eines Landes. Anfang August diesen Jahres, kurz vor der Eröffnung der Olympiade, findet der 18. Weltkongress für Übersetzung in Shanghai statt. Bis dahin werden sich Fachleute aus Überstzerkreisen und aus dem Bereich der interkulturellen Kommunikation in Shanghai versammeln, um an diesem Weltkongress, der zum ersten Mal in China und in Asien überhaupt veranstaltet wird, teilzunehmen.



Weltkongress für Übersetzung: Bühne der Begegnung vielfältiger Kulturen

Der Internationale Übersetzerverband (Fédération Internationale des Traducteurs FIT) veranstaltet alle drei Jahre einen Weltkongress für Übersetzung, dieser tagte bisher bereits 17 Mal. Die Chinesische Gesellschaft der Übersetzer ist im Jahr 1987 der FIT beigetreten. Obwohl es seit ihrem Beitritt noch nicht lange her ist, hat sie auf dem 17. Weltkongress für Übersetzung im Jahr 2005 das Recht auf Ausrichtung des 18. Weltkongresses für Übersetzung erhalten, zudem wurden noch zwei Mitglieder der Delegation in den aus 17 Personen bestehenden Vorstand der FIT gewählt, eines von den beiden wurde mit hoher Zustimmung zum Vizevorsitzenden gewählt. Peter W. Krawutschke, Vorsitzender der FIT, sagte in seinem Gratulationsschreiben zur erfolgreichen Bewerbung Chinas: „Die Vertreter des Kongresses wählten einstimmig China zum Veranstaltungsort des 18. Weltkongresses für Übersetzung. Das zeigt, dass China nicht nur in der Geschichte der FIT, sondern auch in der weltweiten Entwicklung der Übersetzung eine wichtige Rolle spielt.“

Das Thema des 18. Weltkongresses für Übersetzung ist: „Übersetzung und kulturelle Vielfalt“. Damit wird hervorgehoben, dass in der heutigen Welt der Globalisierung der kulturellen Vielfalt gemeinsame Aufmerksamkeit geschenkt wird, und mit dem Thema wird zum Ausdruck gebracht, dass die Übersetzung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation und zum Nebeneinander und Miteinander vielfältiger Kulturen leistet. In der Gegenwart werden in der ganzen Welt schätzungsweise etwa 6800 Sprachen gebraucht und ein Drittel davon verfügt über selbstständige Schriftsysteme. In China, dem Land mit der höchsten Bevölkerungszahl, gibt es 73 Sprachen. Chinesisch wird unter ihnen am meisten gebraucht, bestehend aus sieben Hauptdialekten und über 100 Nebendialekten. Verschiedene Sprachen und Kulturen bereichern unser Leben und bilden den gemeinsamen geistigen Reichtum der Menschheit. Darüber besteht ein allgemeiner Konsens. Wir dürfen die große Anzahl der Sprachen nicht der Bequemlichkeit zuliebe wegwerfen und ignorieren. In der Zeit der Globalisierung spielen die Übersetzer beim Schutz völlig unterschiedlicher Kulturen eine wichtige Rolle.

Der 18. Weltkongress für Übersetzung lenkt weltweit große Aufmerksamkeit auf sich und findet auch weltweit Zustimmung und aktive Unterstützung. Vom gegenwärtigen Stand ausgehend wird der 18. Weltkongress seinem Inhalt, seiner Form und dem Umfang nach ein beispielloses Ereignis in der Geschichte der FIT. Voraussichtlich werden mehr als 1000 Fachleute aus mehr als 70 Ländern und Regionen der ganzen Welt daran teilnehmen. Die führenden Persönlichkeiten von betreffenden Institutionen der UNO und der EU sowie die chinesischen und ausländischen Spitzenkräfte aus dem Kreis der Übersetzung werden Vorträge halten. Während des viertägigen Kongresses werden nahezu einhundert Foren zu spezifischen Themenbereichen, verschiedene Gebiete wie Übersetzung und Kultur, Bildungswesen, Wirtschaft, Diplomatie, Management und moderne Wissenschaft und Technik betreffend abgehalten. Während der Tagung werden darüber hinaus große internationale Ausstellungen zum Thema Übersetzung veranstaltet.

Geschichte der Übersetzung in China: Zeuge des gesellschaftlichen Fortschritts und der Öffnung

Der gemeinsamen Existenz und der Verständigung der Menschheit sowie der Verschmelzung und der Entwicklung der Zivilisation ist auch die Übersetzung zu verdanken. Die Übersetzungstätigkeit ist das Produkt des Austausches zwischen den Völkern der Welt. Die fundamentalste Funktion der Übersetzung ist, die sprachliche Barriere abzubauen und die Verständigung und den Austausch zwischen Ländern und Völkern, die unterschiedliche gesellschaftliche Formen und kulturelle Hintergründe haben, zu fördern. Die Ergebnisse der Verständigung und des Austausches können oft zur Entwicklung von Ideen, Entfaltung der Intelligenz und Herausbildung von neuen Blickwinkeln beitragen mit der Folge, dass große gesellschaftliche Triebkräfte entstehen und gesellschaftliche Umwälzung und Fortschritt ermöglichen.

In der chinesischen Geschichte der Übersetzung gab es drei Blütezeiten: Von der Östlichen Han-Dynastie bis zur Tang- und Song-Dynastie (25–1279) mit der Übersetzung buddhistischer Sutras; in der ausgehenden Ming- und beginnenden Qing-Dynastie (zu Beginn des 17. Jahrhunderts) mit der Übersetzung  technischer und wissenschaftlicher Werke und vom ersten Opiumkrieg bis zur Vierten-Mai-Bewegung (1840 – 1919) mit der Übersetzung nahezu sämtlicher Werke der „westlichen Schule“. Die Übersetzung in diesen Zeiten diente als Wegbereiter für den kulturellen und geistigen Austausch zwischen China und dem Ausland.

In den vergangenen 30 Jahren der Reform und Öffnung fand die vierte Blütezeit der Übersetzung in China statt. Sie übertrifft hinsichtlich des Umfangs, der Formen, des Niveaus und nicht zuletzt des Beitrags für die Entwicklung Chinas die früheren drei Blütezeiten. Heute dient die Übersetzungsarbeit nicht mehr nur als Werkzeug, vielmehr schlägt sie eine Brücke für den kulturellen Austausch zwischen China und den anderen Ländern der Welt. Sie ist nicht mehr auf Bereiche wie Arbeit für auswärtige Angelegenheiten, literarische Werke und theoretische Kanons beschränkt, vielmehr erfasst sie verschiedene Bereiche wie Politik, Wirtschaft, Diplomatie, Kultur, Wissenschaft und Technik sowie das Militärwesen.

Im Zuge der Reform und Öffnung entfaltet sich auch der Bereich der Übersetzung. Als Reform und Öffnung gerade begannen, wurde im Jahr 1982 die landesweite gesellschaftliche Organisation, die Chinesische Gesellschaft der Übersetzer gegründet. Seit der Gründung dieser Organisation hat sie für den Zusammenhalt unter den Übersetzerinnen und Übersetzern, bei der Förderung der Übersetzungstätigkeit und bei der Standardisierung der Verfahren im Übersetzungsbereich eine organisierende und anleitende Rolle entfaltet. Wenn der gesamte Umfang der Übersetzertätigkeit in Betracht gezogen wird, hat sich diese heute bereits von einer Art Arbeit, die in Regierungsorganen, in öffentlichen Institutionen und auch Einrichtungen für Wissenschaft und Technik verrichtet wird, zu einer professionellen Tätigkeit entwickelt. Als moderne Dienstleistung entwickelt sie sich und stärkt sich fortwährend. Nach einer unvollständigen Statistik gibt es in China mehr als 3000 Einrichtungen in verschiedenen Eigentumsformen, die Übersetzungen als Service anbieten. Bis Ende 2007 belief sich der Wert der auf dem chinesischen Markt im Bereich der Übersetzung erbrachten Leistungen auf nahezu 30 Milliarden Yuan. Die Übersetzung ist als selbstständiges Fach im System der Hochschulbildung etabliert. Die Ausbildung diente früher als Hilfsmittel im Fremdsprachenunterricht, während sie sich heute bereits zu einem Ausbildungsbereich, in dem professionelle Übersetzer und Dolmetscher sowie Wissenschaftler, die zum Thema Übersetzung forschen, ausgebildet werden, entwickelt hat. Der Fachbereich für Übersetzung vervollständigt sich ständig, und die Formen und Mittel der Übersetzungstätigkeit entwickeln sich ständig weiter: Wenn es früher nur Übersetzung und Dolmetschung für auswärtige Angelegenheiten gab, dann gibt es heute Simultandolmetschung, Simultandolmetschung mit Textvorlage und Untertitelübersetzung. Neue Techniken werden entwickelt und angewendet. Die jahrtausendelange Tradition der Übersetzung wird gerade gebrochen, die maschinelle Übersetzung oder die durch Maschinen unterstützte Übersetzung zeigen immer deutlicher ihre Vitalität.

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