Übersetzungen aus dem Chinesischen ins Deutsche aus Sicht interkultureller Kommunikation
Von Gao Zhuan
Im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung und bei der Entwicklung des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Austausches zwischen den Ländern spielen Übersetzungen eine immer größere Rolle. Denn als Zugangsvermittler zu anderen Kulturen ermöglichen sie das Zustandekommen interkulturellen Verstehens und die Sicherung transkultureller Harmonie. Bei der interkulturellen Kommunikation durch Übersetzung handelt es sich um einen Vorgang der Wechselseitigkeit des kulturellen Verstehens, d. h. das Verständnis der Kultur der Ausgangssprache – wenn der Chinese der Übersetzer ist –, also der eigenen chinesischen Kultur, trägt zu deren Vermittlung in der deutschen Sprache bei; ein verstärktes Verständnis der Kultur der Zielsprache fördert das Verständnis der Kultur der Ausgangssprache. Die Forschung über die Übersetzung aus dem Chinesischen ins Deutsche ist ein weites Feld. Sie wird vor allem unter lexikalischem, syntaktischem, textlinguistischem und sprechaktbezogenem Aspekt durchgeführt. Festzuhalten ist jedoch, dass sowohl die Ausgangssprache als auch die Zielsprache Teil eines in die Kultur eingebetteten Kommunikationssystems ist. So sollten kulturelle Faktoren bei der Übersetzung ausreichend berücksichtigt werden.
Bei der Übersetzung sind kulturelle Spezifika, bei denen es sich um Einstellung, Werte oder Bilder handelt, in Betracht zu ziehen. Im Text mit dem Titel „Ang Lee: Verschmelzung chinesischer und westlicher Kultur“ gibt es einen Satz: „Li und Yu können deswegen seit vielen Jahren ganz gelassen und ungekünstelt miteinander umgehen und die Liebe zueinander in ihren Herzen begraben, weil sie den konfuzianischen Kardinaltugenden ,Ritus und Rechtschaffenheit‘ folgen. „konfuzianischen Kardialtugenden“ standen nicht im chinesischen Urtext, für Muttersprachler, als Chinesen sind „Ritus und Rechtschaffenheit“ nahezu selbstverständlich konfuzianische Werte. Für deutsche Leser stehen „Ritus und Rechtschaffenheit“ nicht ohne weiteres in Verbindung mit dem Konfuzianismus. So dient die hinzugefügte explizite Information in der Form einer Apposition zum Ausgleich dieser kulturellen Differenz. Damit wird auch der kulturelle Gehalt der Übersetzung vermehrt.